Eine neue Chance

Seine Augen schimmern feucht im diffusen Licht des romantischen Kerzenlichts, das ich entzündet habe in der vagen Hoffnung, dass sich  dadurch ein wenig Nähe zwischen uns ergeben könnte. Wenigstens so etwas wie heimelige Vertrautheit, wenn es schon keine flammende Liebe mehr gibt zwischen uns. Meine Sehnsucht danach ist so groß, dass ich seine leisen Worte beinahe überhört hätte.

„Ich habe einen Traum“, sagt er und ich zwinkere ungläubig mit den Augenlidern. Einen Traum hat er, wie das? Er, der mit Sentimentalitäten, wie er gefühlvolle Worte stets bezeichnet, nichts anzufangen weiß, hat einen Traum? Habe ich in diesem Traum einen Platz? Kann es sein, dass es Hoffnung gibt für uns beide? Mein Herz hüpft voller Erwartung, als ich in seine feuchten Augen schaue.

„Einen Traum? Echt? Und … und wie sieht der aus? Meinst du, dass wir  zwei …“

„Ja, wir beide“, ergänzt er und mein Herz veranstaltet einen kleinen Trommelwirbel. Sollte ich mich etwa so getäuscht haben in seiner  sonst so zurückhaltenden, vernunftgesteuerten Art? Es wäre wahrlich ein Traum. Da höre ich ihn schon weitersprechen. „Wir zwei stellen ab sofort unser Leben radikal um und leisten damit beide einen wertvollen Beitrag für den Erhalt unserer Umwelt. Es liegt schließlich an jedem einzelnen, wie es mit unserer Erde weitergeht. Du isst sowieso viel zu viel Fleisch. Hier, schau.“ Er zieht ein Kochbuch hervor. „Gesund und glücklich durch vegetarische Küche“ prangt mir der Titel auf dem Buchdeckel entgegen. „Das hast du bestimmt schnell drauf, wie man lecker vegetarisch kocht. Und den Flug in die Karibik habe ich bereits storniert. Hier ist es doch auch schön. Und Radfahren tut deiner Figur schließlich auch gut. Wird eh Zeit, dass du ein wenig mehr auf dich achtest.“

Ich schlucke hart, bevor ich endlich meine Antwort parat habe, die mir schon lange auf der Seele brennt.

„Arschloch.“

Dann gehe ich.

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