Anderssein


„Rassismus liegt immer im Auge des Betrachters,“ ächzt er schwer, während seine Finger liebevoll die letzten Wurzeln des lästigen Löwenzahns aus den Ritzen des gepflasterten Gartenweges ziehen.

Sein Auge schweift stolz über seinen kleinen, akkuraten Garten, wo alles seinen wohlgelittenen Platz und vorherbestimmte Anordnung hat. Der Besucher folgt dem Blick dessen Augen und sieht einen Garten, der für ihn an Spießigkeit nicht zu übertreffen ist. Innerlich schüttelt es ihn, als er die streng geometrisch zugeschnittenen Sträucher und Hecken betrachtet. Kein Busch, kein Bäumchen wagt es, größer zu sein als sein Besitzer. Ganz so, als erlaube nur dies dem Gartenbesitzer die Kontrolle über jeden Wildwuchs. Und alle anderen Gärten nebenan standen dem hier an Borniertheit wirklich in nichts nach.

Wie kann man nur so engstirnig und kleingeistig sein?, fährt es ihm unwillkürlich durch den Kopf und geringschätzig zieht er nur die Augenbrauen hoch.

„In wessen Auge?“, fragt er ungläubig nach und kann sich noch immer nicht von der Hässlichkeit dieses Schrebergartens losreißen.

Der stolze Gartenbesitzer reckt sich, stemmt die Hände zufrieden in die Hüften und sieht dem Gast direkt ins Gesicht, welches noch immer einen leicht verächtlichen Ausdruck besitzt.

„In jenem, das verurteilt, ohne zu fragen. In jenem, das richtet, was ihm selbst nicht gefällt.“

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