12.12.2017

 

Wahre Schönheit

 

Zugeknöpft bis an den Kragen

will ich dir noch etwas sagen

Wart’ ein klein fein Augenblick

Dann zeig ich dir auch meinen Trick

 

Traurig ist’s, man mag mich nicht

Kaum dass ich erblickt’ das Tageslicht

Schnell geht’s mir an meinen Kragen

Ohne mich auch nur zu fragen

 

Oh weh, oh Graus

Schon zieht man mir die Schuhe aus

verfärbt dann meine Träne dir die Haut

Schimpfst du und wirst gleich schon wieder laut

 

Gut, ich geb es leider Gottes zu

Bin wirklich nicht so schön wie du

Kann es ja gar nie erst werden

Weil mich niemand leiden mag auf Erden

 

Drum versteck ich mich auch gut

Unter meinem gelben Sonnenhut

Warm ist’s und der Bienen Summen

Besuchen gerne mich, den unansehnlich Stummen

 

Eines Tages aber sind sie alle weg

Donnerlitz, mir fährt hindurch der Schreck

Als ich hör ein lautes Kinderlachen

Lassen steigen viele bunte Drachen

 

Näher kommt bös Ungemach

Kann nicht entfliehen meiner Schmach

Schon bleibt eins der Kinder vor mir steh’n

Kann ich auch sein fröhlich Antlitz seh’n

 

Leise zittere ich im flüsternd’ Wind

Als ich rufen hör das Kind

‚Schaut doch mal, ach Gott wie schön‘

Bläst mich hoch, darf schwerelos im Kreis mich dreh’n

 

Leuchtend Kinderaugen folgen mir

Brüderlein, komm tanz mit mir

Schwebt mein Schirm gen Himmelsbahn

Ich, der hässlich Löwenzahn.

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